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St. Petrus und Paulus-Kirche auf einer interessanten Fotografie vor dem Umbau des Turms im Jahre1889. Links ist die einstige Schule zu sehen, in der Mitte das Pfarrhaus und rechts der Gasthof U kostela.

 

GEMEINDE MALÁ ÚPA

(stránka vznikla ve spolupráci Veselý Výlet)

Kirche und kirchliche Verwaltung

Viele Jahre nach dem Eintreffen der Holzfäller unterstanden die Siedlungen und Einsiedeleien an den Ufern des Flusses Malá Úpa der Verwaltung kaiserlicher Beamter. Erst das Theresianische Kataster von 1748 erwähnt Malá und Velká Úpa zusammen als einen Ort mit 216 Hütten in der Herrschaft Staré Buky im Pfarrsprengel Maršov. Im Jahre 1769 erwarb Graf Joseph Willibald Schaffgotsch auch die zur kaiserlichen Herrschaft gehörenden umliegenden Wälder und so wird Malá Úpa Teil der Marschendorfer Herrschaft. Für die weitere Eigenständigkeit von Malá Úpa erwies sich der Besuch des künftigen Kaisers Josefa II. im Jahre 1779 als äußerst bedeutungsvoll. Ein Jahr früher war es im preußisch-österreichischem „Kartoffelkrieg“ um das bayrische Erbe auch im Riesengebirge zu Kriegshandlungen gekommen, was Josef II. veranlasste, in Begleitung seiner Marschälle Laudon a Haddik den Kriegsschauplatz zu inspizieren. Am 12. September kam er hoch zu Ross über Albeøice und Lyseèiny in Malá Úpa an, um in der ehemaligen Kneifelmühle (später Mohornmühle, heute Spálený mlýn) zu nächtigen. Den Gebirglern gelang es, vom zukünftigen Herrscher das Versprechen zu erheischen, in Malá Úpa eine Kirche bauen zu lassen und eine Pfarrlokalie zu gründen, die später zum Pfarramt erhöht wurde. Bis dahin war die Kirchenverwaltung von Maršov zuständig, wo sich alles abspielte - Gottesdienste, Hochzeiten, Taufen und Beerdigung der in Malá Úpa Verstorbenen.

Die Abwicklung des Antrags zog sich hin, aber schon 1784 entstanden die hiesigen Familienbücher, ein Friedhof und 1791 wurde endlich die Holzkirche St. Petrus und Paulus geweiht. Diese Kirche brannte aber nach einem Blitzschlag ab. Die daraufhin neu errichtete gemauerte Kirche blieb im Wesentlichen bis heute erhalten und bildet die Hauptdominante von Malá Úpa. Bestandteil eines Berichts aus dem Jahre 1644 über die kaiserlichen Reserveforste ist eine Liste der Holzfäller aus der Gegend entlang der Flüsse Malá und Velká Úpa. Sie enthält Namen wie Brunecker, Buchberger, Hofer, Kirchschlager, Kneifel, Lath, Mohorn, Patsch, Renner, Ruse, Sagasser, Salwender, Tasler, Tippelt, Wimmer und weitere, die in Malé Úpì bis 1946 gang und gäbe waren. In der nahezu abgekapselten Menschengemeinschaft der Berggemeinde trug der Pfarrer die Verantwortung, dass keine nahen Verwandten die Ehe eingingen. Nach Ankündigung einer Hochzeit musste der Pater jeweils die Familienbücher studieren, ob sich z.B. der Kirchschlager von Niklovy Vrch die Hofer von den Grenzbauden nehmen kann, deren Mutter geborene Kirchschlager war. Aus diesem Grunde stellte der damalige Klein Aupaer Pfarrer Alois Krsek von 1895 bis 1901 eine einmalige Ahnentafel der alteingesessenen Familien zusammen. Er studierte alle verfügbaren Quellen und schuf so den Stammbaum des ganzen Dorfs. Das im Kreisarchiv hinterlegte Ahnenbuch ist gleichzeitig ein herrliches Kunstwerk. Für die einzelnen Verzweigungen des Lebensbaumes verwendete Pater Krsek 112 Farben und Farbnuancen.

Die Tafel mit Kaiserwappen und Erinnerung an die Gründung der Kirche im Jahre 1791 auf Veranlassung Josefs des II. zieren den Triumphbogen von 1891, mit tschechischem Text „Deinem Hause gebührt Heiligkeit“ (1983).

Selbstverwaltung

In tiefster Vergangenheit waren Forstverwalter die einzigen Beamten in Malá Úpa. Später waltete ein von der Obrigkeit bestellter Dorfrichter seines Amtes und erst im Revolutionsjahr von 1948 erwirkten die Menschen in der österreichischen Monarchie die freie Wahl der Räte mit dem Bürgermeister an der Spitze. Dieser amtete in einer eigenen Berghütte, in Malá Úpa war dies meist einer der Gastwirte, sodass die Sitzungen oft im Lokal stattfanden. Ab 1945 wurde die Selbstverwaltung von den Nationalausschüssen ausgeübt, wobei es aber jeweils immer nur eine Kandidatenliste gab, deshalb wurden alle Kandidaten unter der Aufsicht der kommunistischen Partei auch prompt gewählt. Diese formelle Vorgangsweise trug zum Verlust der Selbstverwaltung von Malá Úpa bei, so wurde die Gemeinde von 1980 bis 1990 zu einem Ortsteil von Pec pod Snìžkou. Nach den ersten freien Wahlen im Jahre 1990 wurde die Selbstverwaltung wiederhergestellt und der Ort gründete sein eigenes Gemeindeamt.

Schule

In Verbindung mit der Gründung der Pfarrlokalie beantragte Malá Úpa auch die Gründung einer Schule. Die kaiserliche Billigung machte Mittel aus dem vom Staat geleiteten Religionsfond frei, der außer Kirche und Pfarre auch die Schule finanzierte. Der erste Schullehrer Anton Rhuß trat am 1. Oktober 1791 in Malá Úpa an, nur ein paar Monate nach der Weihe der Holzkirche. Nach sechs Jahren provisorischen Unterrichts bekamen die Kinder ein eigenes Schulgebäude und der Kantor eine Wohnung in der Schule. Die Schule stand gegenüber der Kirche und überlebte trotz seiner Nähe zu ihr auch den Brand von 1805. Wie dieses erste Schulgebäude ausgesehen hat, ist nicht bekannt, aber der Beschreibung nach war es ein schlichtes Holzberghaus mit einem einzigen Klassenraum, einem großen und einem kleinem Raum für die Lehrerfamilie und dem unumgänglichen Kuhstall. Schon der vierte Schullehrer Franz Schier erwirkte ein Grundstück, dass er und seine Nachfahren allmählich zur Wiese kultivierten. Um sich in Malá Úpa ernähren zu können, waren die Lehrer neben dem Unterricht auch noch auf eine Wirtschaft angewiesen. Dabei saßen in der Einklassenschule ganze 170 Schüler. Zu einer Verbesserung der Verhältnisse, sowohl für die Lehrer, als auch die Schüler, kam es erst mit dem Bau der neuen Schule im Jahre 1875. Sie steht an der gleichen Stelle wie die älteste Schule, aber heute dient das Haus dem Fremdenverkehr. Mit dem Weggang der Alteingesessenen aus dem Ort endete der Unterricht in deutscher Sprache und die Anzahl der Schüler ging dramatisch zurück. Die Schule zog am 28. Oktober 1948 nach Pomezní Boudy und über vierzig Jahre langen gingen die Kinder die ersten fünf und später vier Jahre in eine Zwergschule im Gebäudes des heutigen „Bufet na Pekárnì“. 1990 gewann die Gemeinde zu Schulzwecken ein hübsches Haus im niedrigsten Teil von Pomezní Boudy.

Solch einen Lebensbaum erstellte Pater Alois Krsek für jede alteingesessene Familie. Das ist die Ahnentafel von  Zacharias Gintschel
aus der Hütte Nr. 7 in Horní Malá Úpa
(Staatl. Kreisarchiv Trutnov, 1895 - 1901).

 

Postamt

Das Postamt von Malá Úpa wurde am 1. 3. 1876 in einer inzwischen verschwundenen Berghütte bei der Kirche eröffnet. Gewöhnlich befand es sich in Privathäusern, zumeist in der Hütte des Postmeisters. Zu anfangs brachte der Postbote jeweils einmal pro Woche die Post vom Postamt in Maršov hinauf nach Malá Úpa. Schon ab den 80. Jahren des 19. Jahrhunderts wurde die Post täglich von den Postboten hin und zurück nach Maršov gebracht, ab 1914 sogar zweimal täglich. Erst am 16. November 1897 wurde in Malá Úpa der erste Briefträger – Alfred Hoffmann – bestellt, um die Post zu den einzelnen Hütten auszutragen. Ab 1913 gab es jeweils einen Postboten für den unteren und oberen Ortsteil Dolní und Horní Malá Úpa. Das Postamt siedelte in einigen Häusern stets in der Nähe der Kirche, erst während des 2. Weltkriegs zog es nach Pomezní Boudy um. Nach Kriegsende kehrte es noch einmal kurz zur Kirche zurück, aber seit 1950 befindet es sich in Pomezní Boudy. In den Jahren von 1984 bis 1992 nannte sich das Postamt in Verbindung mit dem Verlust der Selbständigkeit der Gemeinde Pec pod Snìžkou 4. Der häufige Namenswechsel des Postamts im Verlauf von 127 Jahren ist durch die verschiedenen Poststempel gut dokumentiert. Der ganz erste hielt während der ganzen Zeit der kaiserlich-königlichen Post in einer zweisprachigen Ausführung aus – KLEIN AUPA – MALÁ OUPÁ. Der Fehler in der tschechischen Benennung des Stempels blieb bis 1920 bestehen. Die Poststelle in der Böhmischen Baude auf der Schneekoppe wurde zwar schon 1899 auf dem Gebiet von Malá Úpa gegründet, aber sie wurde von Pec verwaltet.

 Zollhaus und Grenzübergang

Die älteste Zollstelle befand sich irgendwo bei Smrèí, nach Pomezní Boudy zog sie erst am 1. November 1841 um. Provisorisch diente sie dann in der schon verfallenen Alten Grenzbaude, nur ein paar Schritte von hier entfernt. Im Jahre 1856 ließ der Besitzer der Marschendorfer Herrschaft Berthold Aichelburg direkt an der Grenze ein niedriges, langes Gebäude mit Walmdach errichten und verpachtete es dem K.u.K. Zoll- und Finanzamt. Bald darauf zog auch das preußische Zollamt von Karpacz hier herauf. Unter einem Dach hielten die Zollämter jedoch nur bis zum preußisch-österreichischem Krieg im Jahre 1866 aus. Die preußische Zollverwaltung zog sich nach Karpacz zurück, bis am 15. August 1923 auf deutscher Seite ein neues Zollamt vollendet wurde. Dadurch konnte am 1. Juli 1924 der Grenzübergang auch für Automobile eröffnet werden. Schlimme und traurige Zeiten brachen für Zollamt und Zöllner im Jahre 1938 an. Am 20. September griffen fanatisierte Sudetendeutsche das tschechoslowakische Zollamt an und brannten die Zollstation nieder. Dabei ermordeten sie den verwundeten Wachtmeister Eduard Šiman. Diese Begebenheit wurde zum Vorwand für eine ebenso schändliche Racheaktion im Jahre 1945. Beim Zollamt wurden am 28. Mai der Bürgermeister von Horní Malá Úpa, Maximilian Ruse, der ehemalige Bürgermeister von Dolní Malá Úpa, Johann Tasler, der Lehrer Josef Patzelt, die wahllos ergriffenen Bürger August Bönsch, Friedrich Buchberger, Johann Kirchschlager, Rudolf Purmann samt Sohn Hermann und dessen Kamerad aus Vratislav von Tschechen ohne Gerichtsurteil erschossen. Die beiden letztgenannten Jungen waren gerade mal 17 Jahre alt. Die Grenze blieb nach Kriegsende bis 1961 geschlossen. Das heutige gemeinsame tschechisch-polnische Zollhaus stammt aus dem Jahre 1961. Ein letztes Mal wurde der Grenzübergang im Jahre 1980 geschlossen, als in Polen der Ausnahmezustand ausgerufen wurde. Nach zehn Jahren wurde der Grenzübergang wiedereröffnet und Präsident Václav Havel hob dabei persönlich die Schranke. Ab 1. April 1994 wurde auch der PKW-Grenzverkehr wieder eröffnet.

Brandanschlag auf das tschechoslowakische Zollhaus in Pomezní Boudy (September 1938).

Abschiebung der ursprünglichen Einwohnerschaft

Grenzübergang Pomezní Boudy. Links steht das deutsche und in der Mitte das später niedergebrannte
tschechoslowakische Zollhaus (1937).

Der Zweite Weltkrieg hatte auch für die Alteingesessenen von Malá Úpa tragische Folgen. Für ihr Vorkriegsbemühen zum Anschluss ans benachbarte Deutschland unter Missachtung der Grenzen der damaligen Tschechoslowakei und in einigen Fällen auch unter aktiver Beteiligung an der nazistischen Raserei mussten sie einen hohen Preis zahlen. Über drei Millionen Böhmischdeutscher mussten die Tschechoslowakei verlassen. Die wiedergeborene Tschechoslowakei machte sich leider nicht die Mühe, bei den deutschsprachigen Einwohnern zwischen anständig und unanständig zu unterscheiden. Die Sache wurde radikal und nach dem Prinzip der Kollektivschuld aller Deutschen gelöst. An den Fronten fielen mindestens 87 Klein Aupaer Männer oder blieben vermisst, nur etwas wenig mehr hat der Ort heute dauernd wohnhafte Einwohner. Genau nach 380 Jahren des vom Staat organisierten Eintreffens der ersten Holzfäller ins Tal unterhalb der Schneekoppe vertrieb der Nachfolgestaat deren Nachkommen. Von April bis November 1946 wurden über das Auffanglager in Kalná Voda bei Trutnov in sieben Transporten nahezu Siebentausend Einwohner von Malá Úpa vor allem in die Westzone Deutschlands deportiert. Mitnehmen durften sie je nach Konkretisierung 30 bis 75 Kilogramm persönlicher Habe. 14 Holzfällerfamilien durften in Malá Úpa wohnen bleiben und später ihr konfisziertes Eigentum zurückkaufen. Die Folgen des absoluten Einwohneraustauschs sind bis heute im Rückgang der Besiedlung der Berggemeinde auf ein Zehntel und in der Unterbrechung der wirtschaftlichen, kulturellen und gesellschaftlichen Kontinuität ersichtlich. Große Folgen hatte die Vertreibung der Gebirgslandwirte für den Zustand der Kulturlandschaft. Seit 1990 kommen die Alteingesessenen regelmäßig zu Besuchen ihrer Heimat hierher. Die Vertreter der Gemeinde und der deutschen Landsleute haben schon einige Male ihren Wunsch zur völligen gegenseitigen Aussöhnung zum Ausdruck gebracht.

Der künftige Kaiser und böhmische König Josef II. nächtigte vom 12. zum 13. September 1779 in Malá Úpa
im Mühlgasthof von Hieronymus Kneifel.

Silberner Kreuztaler Josefs des II., ausgeprägt zehn Jahre nach dem Besuch des Kaisers in Malá Úpa.