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Die Gebirglern nannten ihre Wiesen liebevoll Gärtchen, wurden sie doch mit aller Liebe und Sorgfalt bewirtschaftet und dies nicht nur in Pomezní Boudy (1933).

 

UND BAUDENWIRTSCHAFT
WIESEN

(stránka vznikla ve spolupráci Veselý Výlet)

Was die Gründung der Wiesenenklaven durch Holzfäller aus den Alpenländern ringsherum um den Fluss Malá Úpa betrifft, spricht der tschechisch geschriebene Bericht der Beamten von Kutná hora Bände, in dem sie sich im September 1609 bei der kaiserlichen Hoheit beschweren: „....auf allen Höhen sind Buden zu sehen, in denen die Holzknechte Vieh halten und dieses überall auf den Rodungen weiden lassen. Unter der Höhe Khyberg (Kraví Hora) über Malá Uppa ist, Ihre Kaiserliche Durchlaucht, ein Tryffthaus für die Arbeiter, wo sie bei der besagten Klause klausen und ihre Arbeit verrichten, und auch der Zollmeister (Forstverwalter) selbst dreißig Stück Vieh hält und auf den Bergen weiden lässt. Aber bei demselben Khyberg ist Plodrthal (unterhalb der Kirche) wo auch drei Buden stehen und dazu noch eine Hütte bei der Ploderklause. In all diesen wird nicht wenig Vieh gehalten und an den schönsten und besten Sommertagen Heu und Krummert gemacht, was den Wäldern zu großem Schaden gereichet, da daselbst kein Wald mehr wachsen kann...“

Agrarwälle bei der Einsiedelei Šímový chalupy (2003).

Entgegen den ursprünglichen Plänen ihrer Majestät blieben die Holzfäller aus den Alpen auch nach Abschluss der

 Hauptholzernte. Sie rodeten einige der Kahlschläge und kultivierten den kaiserlichen Grund und Boden mühevoll zu Wiesen. Die steinernen Agrarwälle entlang der Grundstücke zeugen noch heute von dieser harten Arbeit. Auch die Namen der Wiesenenklaven erinnern an deren Begründer, wie zum Beispiel Renner- und Rotterbauden, Šímovy chalupy (Simon Kirchschlager), Tonovy domky (Tonhäuser – Anton Kirchschlager) u. a. In den schlichten Berghütten begann man Vieh zu halten, was den Gebirgsbauern über Jahrhunderte hinweg und der rauen Bedingungen zum Trotz zum Lebenserhalt wurden. Für jede einzelne Kuh musste der Landwirt Heu von mindestens einem Hektar Wiese ernten. Heu wurde auch an den Heugründen an den höchstgelegenen Orten von Malá Úpa, ja sogar an den Hängen der Schneekoppe geerntet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts konnte das Vieh auch im Wald weiden, später wurde im Baumbestand und auf den Waldschlägen nur noch Heu getrocknet.

In den Ställen gab es nichts zur Einstreu, das Vieh stand auf den blanken Bohlen, unter denen die mit Wasser verdünnte Gülle in tiefen Gruben aufgefangen wurde. Diese benutzten die Bergbauern jeweils immer im Frühling zum Jauchen der Wiesen ringsherum um die Hütten, wodurch sich die Heuerträge erhöhten.

Das gesunde Bergheu voller Wiesenkräuter garantierte eine hochwertige, fette Milch, die in den Hütten in gewölbten Milchkellern mit durchfließendem Wasser aufbewahrt wurde. Aus der Sahne wurde Butter gestampft, die für Jahrhundert Hauptexportartikel der Landwirte von Malá Úpa war. Aus der abgerahmten Milch stellte man dann Gebirgskäse her. Nach der Zugabe von Molke verdickte sich die Milch Dank der enthaltenen Bakterien schnell zu einem dicken Brei. In Keramikförmchen bekam der Käse seine runde Form. Nachdem sie durchgetrocknet waren, wurden sie von der

Binnen einer halben Stunde war im Handbutterfass aus 20 Liter Sahne Butter gestampft, die dann mittels geschnitzter Holzformen zu 1/4 kg großen Butterstücken geformt wurde (1920).

 

Wirtschafterin für 2 - 3 Tage auf ein schiefes Brett gestülpt, damit die letzte Molke abfließen konnte. Diese wurde in einem Steinguttopf zusammen mit einem Kalbsmagen zum Erhalt der Bakterien zur nächsten Verwendung aufbewahrt. Noch in den Förmchen wurden die Käse gesalzen und zur optischen Verschönerung in ein Bad mit rotem Paprika getaucht und anschließend, je 60 Stück, in eine Kiste gepackt. Butter und Quargel wurden von den Landwirten auf Kraxen ins Tal geschafft, meist zu den Zwischenhändlern aus dem Schlesischen. Größter Aufkäufer von Milchprodukten direkt in Malá Úpa waren Johann und später Alois „Butter“ Scholz, von der heutigen Rusalka-Baude. Ab 1930 war die Mehrheit der Landwirte Mitglied der genossenschaftlichen Molkerei in Trutnov und die anstrengende heimische Milchverarbeitung nahm ein Ende. Aus Malá Úpá, Pec und Velká Úpá wurden dazumal Tag für Tag 5 Tausend Liter bester fetter Gebirgsmilch aufgekauft. Zu Ende des 19. Jahrhunderts wurden in Malá Úpa noch tausend Rinder gehalten, kurz nach 1945 noch mindesten 550, aber nach der Zwangsaussiedlung der ursprünglichen Bewohner hörte die Viehzucht allmählich auf.

Nicht immer war der Handel mit dem benachbarten Schlesien völlig legal, in Malá Úpa soll es ebenso viele Schmuggler, wie Hütten gegeben haben. Die Preisdifferenz und vor allem das fehlende Angebot im Nachbarland verlockte ganze Generationen von Gebirglern zu diesem gefährlichen aber einträglichen Gewerbe. Oft wurden sie von der Grenzwacht beschossen, so mancher Schmuggler kam um seine Last und so mancher auch ums Leben. Bei Nacht und Nebel wurden auf den Kraxen vor allem Butter und Käse nach Schlesien geschleppt, zurück waren sie beladen mit dem Süßstoff Saccharin, mit Branntwein, Tabak und später auch Petroleum.

 

Das Heu trugen die Landwirte in großen Heutüchern von den Wiesen zu ihren Hütten, wo es dann auf dem
Heuboden verstaut wurde (1910).

Ab 1930 wurde die Milch in Blechkannen ins Tal geschleppt oder gefahren. Dort wurden sie zur Trautenauer Molkerei abtransportiert. (1935).

Jauchen über einen Flaschenzug. Ein herunterfahrender Wagen half über einen Flaschenzug den mit Gülle gefüllten Wagen nach oben zu hieven. Auch so war das Jauchen an den steilen Hängen Schwerstarbeit (1925).

Nachdem man die Quargel aus den Steingutformchen gestülpt hatte, wurden sie auf einen Abtropfbrett getrocknet und nach dem Salzen jeweils dutzendweise in Papier gewickelt und je 60 Stück in einen Karton gepackt (1920).

Bärbel Köstler (20. 12. 1935) wurde in der Hütte Nr. 45 in Pomezní Boudy geboren Ihr Vater, Josef Klein, war Bergmann in den Erzgruben im nahe gelegenen Schmiedeberg (Kowary) und kümmerte sich überdies um eine kleine Wirtschaft. Im November des Jahres 1946 wurde auch diese Familie, wie so viele andere nach Deutschland vertrieben. Dort erlernte Bärbel den Schneiderberuf und diesen Beruf übte sie auch ihr ganzes Leben aus. Ihre Heimat konnte sie jedoch nie vergessen und so schrieb sie die Erinnerungen ihrer Eltern und Nachbarn nieder. Seit 1990 organisiert sie als Heimatort-Betreuerin unter freieren Bedingungen Ausflüge von Landsleuten nach Malá Úpa. Im Jahre 2001 gab sie ein Malá Úpa gewidmetes, heimatkundliches Buch heraus.

 In Malá Úpa wurde ganze Jahrhunderte lang Ware aus dem benachbarten Schlesien geschmuggelt. Dass dies ein zäher Zweikampf zwischen Schmugglern und Grenzwächtern war, beweist die romantische
Schießscheibe aus dem 19. Jahrhundert.

   

Die Exposition für Malá Úpa

© RNDr. Pavel Klimeš, 2003

In künstlerische Zusammenarbeit mit

Zdenìk Petira

Technische Installation

Stanislav Špelda

Leihgaben und Widmungen von Exponaten

Jaroslav Košek, Friedrich Kneifel, Krkokošské muzeum Vrchlabí, Krista Launová z rodiny Reimunda Sagassera Rudolf Ruse, Jiøí Škoda, Milan Vích aj.

Deutsche Übersetzung

Hans Jürgen Warsow

 polnische Übersetzung

Andrzej Magala

Technische Zusammenarbeit mit

Miloslav Klimeš sen

Fachliche Beratung:

Miloslav Bartoš (Ortsgeschichte), Pavel Janata (Postgeschichte), Friedrich Kneifel (alte Gewerbe), Lubomír Mocl (Ausstellungsentwurf, Flugzeug JU 52), Jiøí Škoda (Flugzeug JU 52)

Fotografien und Exponate ohne Angabe des Autors, Spenders oder Verleihers stammen aus Sammlungen von Pavel Klimeš.