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Die Berghütte Nr. 12 Horní MÚ in Èerná Voda (links) hatte noch im Jahre 1902 einen Schindel-Heuerker, während die Berghütte Nr. 13 (in der Mitte) außer dem alten Tor im Giebel schon ein modernerer kleiner Sattelerker zierte. Eine Neuheit war dazumal der große Sattelerker an der Berghütte Nr. 14 (hinten) (1903).

BERGHÜTTEN

(stránka vznikla ve spolupráci Veselý Výlet)

Die Holzfäller hatten sich aus ihrer Alpenheimat die Zimmerkunst zum Hausbauen mitgebracht, aber während der Jahrhunderte entwickelten sie einen eigenen Hüttentyp, der typisch für das Ostriesengebirge ist. Der aus Balken gezimmerte rechteckige Grundriss wurde in der Mitte von einem Gang in zwei Hälften geteilt, von dem man entweder das ursprünglich ungeteilte Wohnzimmer mit Steinschornstein und Ofen betrat, oder den gegenüberliegenden Stall. Unter dem  Stall, der die ganze zweite Gebäudehälfte einnahm, befand sich eine bis zu zwei Meter tiefe, mit groben Bodenbalken abgedeckte Güllegrube. Das Vieh betrat so das Haus meist durch die gleiche Tür wie der Landwirt. Ein Teil der Hütte war überdies noch von einem Holzschuppen mit Fachwerk und Pultdach umgeben. Durch den in den Hang greifenden Steinkeller floss ständig Wasser. Ein wichtiges Element einerjeden Hütte ist die Ausführung des Dachstuhls. Der älteste allein stehende Mittelstuhl wurde schon im 19. Jahrhundert vom zweifach stehenden Kehlbalkendachstuhl ersetzt, bei denen die Sparren von den Kehlbalken gestützt werden.

 Bei Nové Domky besaßen alle Hütten einen Heudacherker, kein einziger blieb jedoch bis heute bestehen (1927).

 

Ursprünglich wurde das Heu auf einer Leiter durch ein großes Tor im Dachgiebel eingebracht, aber solch eine Hütte ist in Malá Úpa nicht erhalten geblieben. Dafür findet man 17 ursprüngliche Berghütten mit einer hiesigen Besonderheit – dem Heu-Schindeldacherker. Früher als in anderen Teilen des Riesengebirges begannen die Bergbauern mit der Heueinfuhr durch ein besonderes Tor vom Hang direkt auf den Boden. Am Dachstuhl wurde ein kleinerer Stuhl angebracht, auf dem man vier Sparren aufrichtete und mittels Latten und Schindeldeckung schuf man ein Welldach, unter dem das Heutor verborgen war. Da ein solcher Dacherkertyp einmalig in ganz Europa ist, nennen wir ihn kurzum Kleinaupaer Heudacherker. In Malá Úpa befand er sich an nahezu allen Berghütten und überdies auch an einigen Häusern in Horní Albeøice, Horní Lyseèiny. In zwei Fällen ist er auch in Maršov belegt. Erst ab Ende des 19. Jahrhunderts begann sich im Riesengebirge der Heudacherker mit Satteldach durchzusetzen, der zum Bestandteil der meisten hiesigen Hütten wurde. Er erweiterte den Boden um eine Arbeitsfläche, wo der Landwirt seine Gerätschaft aufbewahren konnte, in Malá Úpa ersetzte er meist die älteren Dacherker vom Schindeltyp. Dennoch ist der Klein Aupaer Erker als bedeutender Beitrag der hiesigen Gebirgler zur Riesengebirger Volksarchitektur anzusehen. Mit dem Aufschwung des Tourismus und der Vermietung der Räume musste der Heuboden Gästezimmern Platz machen. Das Hauptzimmer in der Mitte wurde meist durch einen vorderen Satteldacherker erhellt, der in der Regel den Heuerker auf der anderen Dachseite kopierte.

Zweihundert Klein Aupaer Berghütten standen nach der Zwangsaussiedlung der ursprünglichen Bewohner von 1945 und 1946 leer und wurden von Wochenendlern aus allen Teilen Tschechiens gerettet. Vierzig „überflüssige“ Häuser wurden abgerissen, manche der Häuser verloren im Urlauberboom der 70. und 80. Jahre ihr authentisches Aussehen. Trotz allem blieb Malá Úpa der Ort mit dem bedeutendste Ensemble volkstümlicher Architektur im Riesengebirge.

 

 Sowohl die erste Nummerierung der Häuser im Jahre 1771, als auch die zweite von 1805 waren einheitlich für ganz Malá Úpa. Die Umnummerierung von 1900 teilte die Häuser in Horní und Dolní Malá Úpa und so blieb es bis heute. Die auf Porzellan gemalte Hausnummer 37 Dolní MÚ stammt von den Šímový chalupy (2003).

Karel Lof (7. 12. 1933 – 15. 3. 2002) Er wurde in Dolní Malá Úpa in der Berghütte Nr. 68 gleich neben Pfarre und Kirche in einer deutsch-tschechischen Familie geboren. Sein Vater Karel Lof war 1919 mit der neu gegründeten tschechoslowakischen Armee nach Malá Úpa gekommen, um die Republikgrenze abzustecken und war einer der ersten Tschechen, die sich hier in Malá Úpa ansiedelten. Bei einem Tanzvergnügen im Gasthof des Bürgermeisters Johann Taslers (heute Sokolí bouda) befreundete er sich mit Agnes Berauer vom gegenüberstehenden Kolonialwarengeschäft. Dieses Haus bauten sie später gemeinsam um.

Außer dem Geschäft hatte hier der Herrenschneider Karel Lof auch seine Schneiderwerkstatt. Zwei Räume des neuen Hauses verpachteten sie als Büroraum und Postamt, Karel Lof machte nebenbei auch noch Postbote. Hier wurde ihr Sohn Karel geboren. 1938 mussten die Lofs wegen der einheimischen Nazis aus Malá Úpa fliehen, heimkehren konnten sie erst im Jahre 1945. Der junge Karel besuchte die Trautenauer Forstschule und war dann sein ganzes Leben lang Förster im Revier rings herum um die Heimathütte. Seine Försterkarriere ging zur traurigen Zeit der massiven Immissionskahlschläge zu Ende, als in den 80. Jahren viele alte Bestände abstarben. Er organisierte jedoch noch die Erneuerung der Wälder, es ist auch sein Werk, dass auf den Gebirgszügen Kraví hora, Pomezní und Lyseèinský høeben wieder junger Wald grünt. Karel Lof war in Malá Úpa Mitbegründer des Bergdienstes und der Freiwilligen Feuerwehr. Dank seiner Herkunft gehört er zu den Bindegliedern zwischen deutscher Vergangenheit und tschechischer Gegenwart in Malá Úpa.(Foto Vladimír Kobelka, 1995)(foto Vladimír Kobelka, 1995) 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Renovierte Klein Aupaer Heuerker an der Berghütte Nr. 42 in Dolní MÚ bei den Tonový domky (2003).

Zimmerung mit Schwalbenschwänzen an den Ecken, verschmierte Fugen, geteilte, mit der Fassade fluchtende
Fenster und der mit Schindel gedeckte Giebel sind typische Elemente der Klein Aupaer Berghütten (2003). 

Der vordere Sattel-Dacherker an der Berghütte Nr. 48 Dolní MÚ erhellte das Dachzimmer und gehört zu den ursprünglichen Elementen der Volksarchitektur in Malá Úpa. Gleichzeitig verhindert er das Herabfallen des Schnees vor die Haustür (1998).